LJ Bogen

Störibrot

Störibrot anschneiden

Am Stefanitag, dem 26. Dezember, heißt es heute noch in einigen Gebieten Oberösterreichs für unverheiratete Frauen: Aufgepasst! Es ist wieder Zeit zum Störibrot Anschneiden. Doch was hat es mit diesem Brauch eigentlich auf sich?

Bereits einige Tage vor dem 26. Dezember starten die Mädchen mit dem Backen des Störibrots. Dabei wird für jeden erwarteten Jungen ein Brot zubereitet. Diese Anzahl hängt dabei davon ab, wie aktiv, in z.B. Vereinen, das Mädchen ist.

Der Ablauf des Brauchs am 26. Dezember ist dann sehr genau geregelt: Die Burschen ziehen den ganzen Tag von Haus zu Haus und besuchen die Mädchen zu Hause. Dabei dürfen sie allerdings nicht den Grund ihres Erscheinens verraten. Beim Eintreten in das Haus müssen sie das Mädchen mit der Hand grüßen und dürfen dabei nur ihren Hofnamen nennen, welchen sich das Mädchen merken muss. Bevor das Mädchen das Störibrot holt, müssen die Burschen noch ihr Messer zeigen, mit welchem sie ihr Glück probieren wollen. Wer keines dabei hat, muss einen Schnaps trinken. Nun muss das Mädchen beweisen, dass es sich den Hofnamen tatsächlich gemerkt hat und bestimmt den Burschen der ihr am meisten gefällt dazu, das Störibrot anschneiden zu dürfen. Dabei zieht sie eine Schürze an und der Junge muss das Brot so aufschneiden, dass ein Scherz in der aufgehaltenen Schürze landet. Dieser Scherz muss so klein sein, dass er in eine Zündholzschachtel passt und der Laib muss auf der Anschnittstelle stehen bleiben. Erschwert kann die Aufgabe noch werden, indem noch das Messer auf den Scherz gelegt und ein volles Schnapsglas auf das Messer gestellt wird. Ist das Mädchen dem Burschen wohlgesonnen, so verpackt es das Störibrot in der Zündholzschachtel und wickelt sie in Geschenkpapier. Befindet sich jedoch eine Kartoffelschale oder Stein statt dem Scherzerl in der Zündholzschachtel, dann bringt sie damit zum Ausdruck, dass sie von dem Verehrer nichts wissen möchte. Ist die Zündholzschachtel hingegen leer, darf der junge Kavalier noch Hoffnung schöpfen - seine Auserwählte ist noch unentschlossen. Ist das Scherzerl drinnen, dann darf er das Mädchen beim nächsten Kirtag auf ein Getränk einladen und ihr als kleine

Aufmerksamkeit ein kleines Geschenk, eine sogenannte „Kirta“ kaufen.

Das „Störianschneiden“ war früher auch üblich, wenn die verheirateten Kinder ihre Eltern besuchten und dabei den traditionellen Störilaib anschnitten („Störibrotkosten“). Störibrot ist ein Brot aus einer Mischung aus Weizen- und hellem Roggenmehl, oft mit Anis gewürzt, das speziell im Advent, zu Weihnachten und in der Faschingszeit gebacken wurde.

Der Stephanitag ist in Österreich ein gesetzlicher Feiertag, üblicherweise besucht man Verwandte, Freunde oder Nachbarn, geht „Christbaum schauen“ und tauscht selbst gebackene Weihnachtskekse aus.